Aktuelles 1. Februar 2021

Hervorgehoben

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde und Mitglieder des Vereins,

das neue Jahr hat so begonnen, wie das alte geendet hat: im Lockdown. Die Pandemie hat uns voll im Griff. Daher können wir derzeit nicht planen, wann und wie wir wieder in Aktivitäten für unseren Verein einsteigen werden. Vorbereitet und für die Ausstellung fertig liegen die Exponate für das Thema „75 Jahre Ende des 2. Weltkrieges“. Ob wir diese aufwändige Ausstellung wie geplant im Mai eröffnen können, ist derzeit noch nicht absehbar.

Sehr erfolgreich war aber der digitale Adventskalender, den eine kleine Gruppe aus unserem Verein, mit der Hilfe von Veit Scheuermann von VTS Medien Sonsbeck, vorbereitet und erstellt hat. Dabei sind über 1.000 Stunden Arbeit aufgewandt worden, alle haben kostenfrei ehrenamtlich gearbeitet. Die Rückmeldungen über die 24 Türchen war phänomenal. Man kann unseren Aktiven Christiane und Thomas Grütters und David Riedel gar nicht genug dankbar sein für das, was sie den vielen Interessierten täglich in der Adventszeit geboten haben. Es sind über 50.000 Aufrufe über Facebook festgestellt worden.

Nun kamen Anfragen von dankbaren Nutzern des Adventskalenders, wie denn dem Verein etwas Gutes getan werden könnte. Die Sparkasse am Niederrhein hat eine „Aktion GiroCents“ ins Leben gerufen, bei der sie von den Teilnehmern (Spendern) die Centbeträge von ihren Einnahmen einbehält und diese in die Aktion einbringt. Die Erlöse hieraus gehen dann nach der Dauer eines Zeitraumes (in der Regel ein halbes Jahr) an sechs ausgesuchte Vereine und Initiativen. Für die anstehende Aktion wurde unser Verein mit ausgewählt.

Ein halbes Jahr lang sammelt die Sparkasse die GiroCents der Spender treuhänderisch, um das Geld dann anteilig nach dem Voting-Ergebnis an den sechs teilnehmenden Vereinen und Initiativen auszuschütten. 

Wichtig ist: Jeder GiroCents-Spender kann online abstimmen, welches Projekt seine Stimme bekommen soll. Je mehr Stimmen also für unser Projekt gesammelt werden, umso mehr GiroCents bekommen wir am Ende aufs Konto überwiesen. Es lohnt sich also auch, neue GiroCents-Spender in Ihrem/Eurem Umfeld zu werben. 

Unter www.sparkasse-am-niederrhein.de/girocents finden sich alle sechs Projekte und man kann dort Monat für Monat die Zwischenstände des Votings ablesen. 

Es wäre daher schön, wenn sich möglichst viele an dieser GiroCents-Aktion der Sparkasse beteiligen und anschließend für unseren Verein voten würden.

In der Hoffnung, bald wieder Aktivitäten mit und für den Verein für Denkmalpflege durchführen zu können und dann Sie/Euch gesund wieder zu sehen, verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

Heinz-Peter Kamps
Vorsitzender
Verein für Denkmalpflege Sonsbeck e.V.

Einweihung der Stele auf dem jüdischen Friedhof Sonsbeck

Einweihung der Info-Stele auf dem jüdischen Friedhof Sonsbeck

Der ehemalige Vorsitzende des Vereins für Denkmalpflege Heinrich Kerstgens hatte sich viele Jahre darum bemüht, das jüdische Leben in Sonsbeck in das Bewusstsein der Bevölkerung zu tragen, weil er der Auffassung war, dass dieser Teil der Sonsbecker Geschichte nicht genügend Beachtung fand.

Gedenktafel Jüdischer Betraum

Gedenktafel Jüdischer Betraum

Darum hatte er vor einigen Jahren initiiert, dass an dem Haus Hochstraße 31, in dessen inzwischen abgerissenen Hinterhaus sich der ehemalige Betsaal der jüdischen Gemeinde Sonsbeck befand, ein entsprechendes Hinweisschild angebracht wurde. Da es aber zum jüdischen Leben in Sonsbeck kaum bzw. keine zusammenhängenden schriftliche Ausarbeitungen gibt, verlief die weitere Aktivität zunächst einmal im Sand.

Nun hat unser Verein die Chance genutzt und sich erfolgreich um eine Förderung aus dem Förderprogramm „Heimatscheck“ des Landes NRW bemüht. Wir haben im letzten Jahr, am 19. Dez. 2019, unsere beiden Anträge gestellt und erhielten bereits am 23.12.2019 die Zusage der Förderung.

Was wollen wir mit diesem Projekt erreichen? Wir finden in Sonsbeck nur noch wenige Spuren der jüdischen Bevölkerung. Es gibt einen Ort, den man kennt, an dem bis Anfang des 19. Jahrhunderts ein jüdischer Friedhof bestand, er befand sich am Ende der heutigen Filderstraße innerhalb der alten Stadtmauern.

Friedhof Filderstrasse

Friedhof Filderstrasse

Er musste wie andere Friedhöfe auch aufgegeben werden, weil die Bestattungsstätten nach außerhalb der Wohnbebauung verlegt wurden. Von ihm ist nichts mehr vorhanden, lediglich war dort vor dem II. Weltkrieg noch eine Wiese, auf der Kinder spielen konnten und die man als „Jüddewei“ bezeichnete.

Jüdischer Friedhof Dolenweg

Jüdischer Friedhof Dolenweg

Danach entstand der hier und heute noch vorhandene Friedhof, der auch die Zeit der Judenverfolgung im sogenannten „Dritten Reich“ überstand. Man hat überliefert, dass lediglich wohl die Grabsteine umgeworfen wurden. Und der dritte Hinweis ist der bereits angesprochene Betsaal im Haus Hochstraße 31.

Wir haben in unserem historischen Rundweg, den wir vor nun fast schon 10 Jahren eingerichtet haben und der zu 18 historischen Stätten und Gebäuden in Sonsbeck führt, natürlich auch diese drei auf das jüdische Leben bzw. Sterben hinweisenden Orte mit in diesen Rundweg aufgenommen.

Nun wurden wir häufig angesprochen, was es denn mit den 31 Grabsteinen auf dem Friedhof auf sich habe, was die Schrift und die Symbole darauf bedeuten würden und wer überhaupt dort seine letzte Ruhestätte gefunden habe. Es gibt zwar eine Ausarbeitung von Dieter Peters, Aachen aus 2002, die den jüdischen Friedhof von Sonsbeck beschreibt. Aber diese Ausarbeitung ist im Buchhandel nicht zu erwerben.

Stele jüdischer Friedhof Sonsbeck

Stele jüdischer Friedhof Sonsbeck

So kam die Idee, auf dem Friedhof eine Informationsstele zu errichten, die zu diesen Fragen Antworten geben könnte. Es fehlten allerdings die finanziellen Mittel. Unser Verein ist auf Spenden angewiesen und hat keine größeren Rücklagen für derartige Aufwendungen. Dennoch haben wir uns mit dem hiesigen Steinmetzmeister Reiner Weber von der Firma van Huet & Weber zusammengesetzt und überlegt, wie wir denn zu einem Ergebnis kommen könnten. Dann haben wir uns eine ähnliche Info–Stele auf dem Ehrenfriedhof hier in Sonsbeck angesehen, in der in einer Kassette sich eine Liste mit den Namen der auf dem Ehrenfriedhof bestatteten Gefallenen aus dem 2. Weltkrieg befindet.

Dies war die erste Idee einer Gestaltung für unsere Info-Stele. Und dann kam das Zeichen aus Düsseldorf, dass für Zwecke der Heimatgeschichte Förderungen ausgelobt wurden. So konnten wir in die konkrete Planung gehen. Reiner Weber machte sich Gedanken, nahm auch die Ausführung der Stele auf dem Ehrenfriedhof auf und so entstand letztlich die hier und heute vorgestellte Info-Stele.

Es sollte ja heute eigentlich die Einweihung stattfinden, aber wir mussten sie Corona bedingt absagen, wollten die Präsentation aber dennoch durchführen. Darum vielen Dank an die Vertreter der Presse für ihr Erscheinen und ihre Unterstützung durch ihre Veröffentlichung.

Wenn man nun an der Info-Stele die Klappe der Kassette aufmacht, erhält man die Informationen, die im Wesentlichen durch Dieter Peters, wie oben erwähnt, ausgearbeitet wurden. Das sind die Beschreibungen jeder einzelnen der 31 Grabstätten, die Namen der Bestatteten und die Bedeutung der Symbole auf den Grabsteinen.

Wir sind der Auffassung, dass die uns zugefallene Förderung über den „Heimatscheck“ hierfür überaus passend ist. Die ehemaligen jüdischen Einwohner/innen von Sonsbeck treten aus ihrer bisherigen Anonymität, die fühlten sich hier wohl zu Hause, denn nur dort, wo man seine Heimat hat, wird man auch einen Friedhof errichten, auf dem die Toten eine letzte Ruhestätte finden. Wir sorgen mit dieser Info-Stele dafür,  dass nunmehr die bisher unbekannten Toten, man kann auch sagen Heimatlosen, eine echte Heimat gefunden haben, denn namenlos ist auch heimatlos, und die Namen sind nun für jeden Interessierten vorhanden.

Stele jüdischer Friedhof Sonsbeck

Stele jüdischer Friedhof Sonsbeck

Broschüre „Jüdisches Leben in Sonsbeck“

In diesem Zusammenhang hat der Verein versucht, die wenigen Informationen, die man in verschiedenen Veröffentlichungen über die Juden in Sonsbeck finden kann, zusammen zu führen und hieraus ein Büchlein zu schaffen, das ich Ihnen hiermit ebenfalls vorstelle. Daraus ist zwar kein wissenschaftliches Schriftstück entstanden, denn es wurde nicht bis ins letzte Archiv gesucht, aber es liegt zum ersten Mal ein Schrift vor, in der das wenige Wissen und die wenigen Spuren des jüdischen Lebens in Sonsbeck, das 1943 mit der Ermordung des Ehepaars Rieke und Albert Marcus im KZ bei Riga endete, dargestellt wird.

Vielleicht gibt es ja nun einen Anreiz, dass sich ein Student mit diesem Thema befasst und sein Doktorvater ihm den Auftrag gibt, hier sein Thema für seine Examensarbeit zu finden. Darüber würden wir uns natürlich sehr freuen. Wir wollen entsprechende Kontakte knüpfen.

Was finden Sie in dem Büchlein? Neben den Grußworten von Bürgermeister Heiko Schmidt und dem Vorstandsvorsitzenden des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden Nordrhein Dr. Oded Horowitz, finden Sie eine Abhandlung über das jüdische Leben in Sonsbeck seit nachweisbar 1432 bis 1943. Dann werden die beiden jüdischen Friedhöfe beschrieben, die neue Info-Stele findet ebenfalls Erwähnung. Beigefügt ist ein Namensverzeichnis der Gräber auf dem Friedhof und eine Quellenangabe der Fundstellen für dieses Buch.

Auch damit glauben wir, dass wir dem Wunsch unseres ehemaligen Vorsitzenden Heinrich Kerstgens, das vergangene jüdische Leben in Sonsbeck mehr in den Focus zu stellen, wieder einen Schritt nähergekommen sind. Es finden sich einige überraschende Erkenntnisse in diesem Büchlein, das nunmehr für einen Preis von 5,- € im Rathaus und im „Bücherbogen“ in Sonsbeck zu erwerben ist.